23.09.2026

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Was ist Törggelen?

Wer im Herbst nach Südtirol kommt, stolpert ziemlich schnell über ein Wort: Törggelen. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Ein Essen? Eine Wanderung? Ein Fest? Irgendwie alles zusammen. Und vor allem: ziemlich typisch Südtirol.

Rita Unterthurner

Was bedeutet Törggelen?

Törggelen ist eine alte Südtiroler Herbsttradition. Sobald die Trauben gelesen sind, die Kastanien reif werden und die Ernte langsam zu Ende geht, beginnt die Törggelezeit.

Der Name kommt von der „Torggl“, wie früher die Weinpresse genannt wurde. Nach der Weinlese wurde der neue Wein verkostet und gemeinsam gegessen. Die Bauern bedankten sich damit auch bei ihren Erntehelfern.

Aus diesem Brauch ist das entstanden, was wir heute unter Törggelen verstehen: zusammensitzen, neuen Wein probieren, ordentlich essen und einen gemütlichen Herbstabend verbringen.

Also nein: Törggelen bedeutet nicht einfach nur, irgendwo Kastanien zu essen.

Was isst man beim Törggelen?

Hungrig sollte man definitiv kommen.

Traditionell beginnt ein Törggelemenü zum Beispiel mit Gerstensuppe, Schlutzkrapfen oder Knödeln. Danach wird es meistens ziemlich deftig: Hauswürste, Surfleisch oder Rippelen, Sauerkraut und Knödel gehören zu den Klassikern.

Und wenn man eigentlich längst satt ist, kommen sie:

Keschtn – gebratene Kastanien.

Dazu gibt es häufig süße Krapfen.

Getrunken wird traditionell frischer Traubenmost – bei uns „Siaßer“ genannt – oder der junge Wein des Jahres.

Leichtes Abendessen sieht anders aus.

Aber Törggelen geht man schließlich auch nicht wegen des Salatbuffets.

Herbst heißt bei uns auch Erntezeit

Wer im September und Oktober durch Schenna und das Meraner Land fährt, merkt ziemlich schnell: Jetzt ist Erntezeit.

In den Apfelwiesen wird gepflückt, Kisten werden verladen und in den Weinbergen beginnt die Weinlese – bei uns sagt man dazu „Wimmen“.

Genau diese Zeit gehört für uns zum Törggelen dazu.

Die Apfelernte, die Weinlese, die ersten Kastanien, der neue Wein – im Herbst passiert bei uns ziemlich viel gleichzeitig.

Und später sitzt man zusammen und genießt das, was das Jahr hervorgebracht hat.

Eigentlich ziemlich logisch:

Erst arbeiten. Dann essen.

Wann ist Törggelezeit?

Die klassische Törggelezeit ist im Herbst, ungefähr von Anfang Oktober bis Ende November.

Wir mögen besonders den Oktober: Zum Wandern ist es angenehm, in den Apfelwiesen und Weinbergen ist noch einiges los und am Abend darf es langsam wieder gemütlicher werden.

Wandern, einkehren, essen, ein Glas Wein trinken und den Herbst genießen.

Viel komplizierter muss Törggelen eigentlich gar nicht sein.

Gehört Wandern zum Törggelen?

Für uns: unbedingt.

Denn eigentlich ist die Kombination das Schönste daran.

Im Herbst sind die Temperaturen in Südtirol oft ideal zum Wandern. Die große Sommerhitze ist vorbei, die Luft wird klarer und rund um Schenna führen viele Wege durch Weinberge und Apfelwiesen.

Erst ein paar Stunden draußen unterwegs sein und danach in einem Buschenschank einkehren – so macht Törggelen gleich noch mehr Sinn.

Und nebenbei hat man anschließend zumindest eine gute Erklärung dafür, warum noch ein Knödel mehr reinpasst.

Rund um Schenna und Meran gibt es dafür jede Menge Möglichkeiten: gemütliche Waalwege, Wege durch Wein- und Apfelgärten oder etwas längere Touren mit ordentlich Aussicht.

Fragen rund ums Törggelen
Wann ist Törggelezeit in Südtirol?

Die klassische Törggelezeit beginnt Anfang Oktober und dauert bis Ende November. Je nach Hof und Ernte kann die Saison etwas früher enden.

Was isst man beim Törggelen?

Typisch sind Gerstensuppe, Schlutzkrapfen oder Knödel, danach Hauswürste, Rippelen oder Surfleisch mit Sauerkraut. Zum Schluss gibt’s Keschtn – gebratene Kastanien – und süße Krapfen. Dazu gehören Sußer und junger Wein. Hungrig kommen schadet also nicht.

Muss man zum Törggelen wandern?

Nein. Aber wir finden: Ein paar Kilometer vorher machen den zusätzlichen Knödel deutlich leichter zu rechtfertigen. 😉 Rund um Schenna lassen sich Herbstwanderungen und eine Einkehr jedenfalls ziemlich gut verbinden.

Muss man zum Törggelen reservieren?

Wir würden es empfehlen. Viele Hof- und Buschenschänken sind klein und gerade im Oktober gut besucht. Manche bieten Törggelen sogar nur auf Vorbestellung an – beim Florerhof in Schenna zum Beispiel ist es im Herbst mittags und nach vorheriger Reservierung möglich.

Wo kann man im Meraner Land gut törggelen?

Wenn ihr Törggelen mit einem Ausflug oder einer Wanderung verbinden möchtet, sind diese fünf Adressen interessant:
Zmailerhof - Hofschank – oben am Schennerberg mit Blick über den Meraner Talkessel. Der Hof ist ein schönes Wanderziel und serviert bäuerliche Spezialitäten.
Untermeinlechner - Buschenschank – in Untertall; bekannt für Bauernkrapfen, Strudel und Produkte aus eigener Herstellung.
Florerhof – in St. Georgen mit schönem Blick auf Schenna und Meran. Im Herbst kann man hier mittags auf Reservierung törggelen.
Köstenthalerhof – Gasthof in Panoramalage oberhalb von Schenna, rund 200 Meter nach der Talstation der Taser-Seilbahn. Im Herbst wird dort täglich getörggelet; dazu gibt’s gutbürgerliche Südtiroler Küche und einen großen Garten mit Aussicht.
Haidenhof – oberhalb des Marlinger Waalwegs in Tscherms. Im Herbst wird getörggelet, dazu kommen Weine aus eigener Erzeugung – schön mit einer Waalwegwanderung kombinierbar.

Öffnungszeiten un Törggelezeiten am besten vorher direkt beim jeweiligen Hof prüfen – die ändern sich saisonal.